(29.03.25 21:50)vdrummer schrieb: Schade, als ich den Titel gelesen habe dachte ich, es geht hier um das Klavierstück 
aus musikwissenschaftlicher Sicht möchte ich hier klarstellen: Das Lied Sakura ist kein Klavierstück, und die leider üblich gewordenen Harmonisierungen nach westlichem Muster ignorieren und verfälschen die Besonderheiten der japanischen pentatonischen Tonsysteme. In der englischen Wikipedia findet man ein paar gute Erklärungen dazu.
Kurz, das Lied basiert auf der Tonskala e-f-a-h-c'-e'. Wie alle japanischen Tonsysteme besteht es aus zweimal 3 Tönen mit identischer Intervallstruktur im Rahmen einer Quarte (e-f-a / h-c'-e'), hier charakteristisch mit dem Halbtonschritt direkt nach dem Grundton e. Mithin ähnelt es am ehesten dem europäischen phrygisch*, allerdings enthält es keine Terz, ist also nicht das was wir unter "Tonart" verstehen. Mehr oder weniger zufällig ergibt sich für westliche Ohren der Eindruck, das Lied stünde in a-Moll (a-c'-e'), und so wird es inzwischen auch in Japan gerne harmonisiert (oder noch schlimmer).
Damit wird die eigene Musiktradition über den Haufen geworfen. Als musikethnologisch interessierten Musiker tut mir das weh.
*bekanntestes Beispiel für ein Lied in der phrygischen Tonart (=e-Moll mit f statt fis), weil's grad in die Zeit passt: "O Haupt voll Blut und Wunden". Auch dieses wird gerne verfälschend harmonisiert. Anfangs- und Schlusston ist der Grundton e, daher kann man so tun als wäre die Tonart nicht phrygisch, sondern C-Dur oder a-Moll, in deren Grundakkord (Tonika) ebenfalls das
e enthalten ist, und deren Tonvorrat auch sonst derselbe ist. Daher ist der Schaden beim "falschen" Harmonisieren nicht ganz so groß wie wenn pentatonische Lieder mit unserem 7- bzw. 12-Ton-System verwurschtelt werden.