Der Einfachheit halber möchte ich auf mein Posting vom 23.11.2006 verweisen (wie auch auf die weiteren Anmerkungen in jenem Gesprächsfaden):
(23.11.06 14:15)Robert Rauther schrieb:Entschuldigen Sie bitte, daß ich mich noch einmal zu Wort melde. Ich möchte keinesfalls den Eindruck erwecken, hier Werbung für die Bücher zu machen. Es erscheint mir allerdings irreführend, den Büchern Vorwürfe zu machen, ohne auf ihren Inhalt einzugehen.
Niemand, der den Anspruch der Seriosität erheben möchte, wird behaupten, die Kanji zu lernen wäre eine leichte Aufgabe. Dies tun die Bücher auch nicht. Erlauben Sie mir bitte im Falle Ihres Interesses, den Inhalt für sich selbst sprechen lassen. Herr Professor Heisig schreibt in seinen einführenden Anmerkungen:
"Denn während die Methode zwar einfach ist und einen großen Teil vertanen Aufwands erspart, ist die Aufgabe immer noch keine leichte. Sie erfordert so viel Durchhaltevermögen, Konzentration und Phantasie, wie man nur aufzubringen vermag." (korr.: S.24)
Zu dem Vorwurf der ähnlichen Schlüsselwörter sind die Arbeitsanleitungen im Buch zu beachten:
"Wenn wir auf abstrakte Schlüsselwörter wie dieses treffen, erhalten wir am besten ein Bild, indem wir uns einen umgangssprachlichen und vielsagenden Satz vergegenwärtigen, in dem das Wort vorkommt." (S.53)
sowie:
"Lesen Sie das Schlüsselwort und bedenken Sie seine besondere Konnotation. Es gibt nur eine solche Bedeutung, manchmal verbunden mit einem umgangssprachlichen Ausdruck, manchmal mit einer von mehreren Anklängen des Wortes, manchmal mit einem weithin bekannten kulturellen Phänomen." (S.130)
Darüber hinaus werden im Text Hilfestellungen gegeben. Dieses Verfahren des Buches - ein Begriff pro Zeichen, ohne Dubletten - macht es zu einem Lernbuch und unterscheidet es von einem Wörterbuch oder Zeichenlexikon (deswegen genießt der Inhalt ja auch Rechtsschutz und darf nicht ohne Einverständnis des Verlags verbreitet werden). Zur Verkürzung der Schriftzeichen auf einen Begriff steht noch vor den Anmerkungen Professor Heisigs:
"Nur ist eben bei der ersten Begegnung die Beschränkung auf das unabdingbar Wesentliche, als einer Art erster Anker, hilfreich." (S.8)
In Band 2 werden Sie dann finden, daß die japanischen Lesungen die Schlüsselwörter aus Band 1 beim weiteren Erlernen der Sprache nach und nach verdrängen (dort S.316 f.). Die deutschen Schlüsselwörter aus Band 1 verleihen den Kanji also sozusagen eine provisorische "deutsche Lesung".
Natürlich bleibt es, bei aller möglichen Erleichterung, eine groß(artig)e Aufgabe, sich 2.000 Schriftzeichen anzueignen. Denn dafür müssen ja allein 2.000 Bedeutungen erlernt werden. Eine solche Zahl entspricht nahezu dem Grundwortschatz einer beliebigen Sprache. Diese Schwierigkeit liegt aber in der Natur der Aufgabe.
In der Tat finden sich nach einer ausführlichen Heranleitung an die Methode keine weiteren Erzählungen zu den Schriftzeichen. Dies hat den Grund, daß Leserinnen und Leser sich nach und nach eine eigene Bilderwelt erschaffen. Vorgegebenes wäre bei diesem Prozeß nicht mehr hilfreich:
"Die Phantasie jedes Menschen arbeitet auf unterschiedliche Weise. Jede hat ihre eigenen Begabungen und Schwächen. Je mehr Sie darauf achten, wie Sie sich Dinge vorstellen, desto wahrscheinlicher werden Sie herausfinden, was für Sie am besten funktioniert und warum." (S.132)
Bei weiterem Interesse haben Sie Zugriff auf umfangreiche Anmerkungen zur Heisig'schen Methode in den Leseproben unter:
http://www.kanji-lernen.de
Für jede Kritik daran bin ich jederzeit dankbar. Den Anwürfen läßt sich meines Erachtens jedoch viel leichter begegnen, wenn sie auf die Ausführungen der Bücher selbst zu diesen Themen eingehen.
Mit freundlichen Grüßen
Robert Rauther
Ergänzen möchte ich dies hier noch um ein weiteres Zitat hinsichtlich der Wichtigkeit, sich an die ausführlichen Anleitungen zu halten:
"Ein kleiner Schritt in die falsche Richtung auf einer Reise von 2.000 Kanji wird Sie in kürzester Zeit in große Schwierigkeiten bringen." (S.130)
Die in diesem Sinne "richtige Richtung" ("richtig" subjektiv im Sinne der Autoren) wird im Buch selbstverständlich auf etlichen Seiten detailliert dargelegt.
Schließlich:
"Fangen Sie erst einmal mit Ausnahmen für Schriftzeichen an, die Sie 'kennen', mit denen Sie 'keine Schwierigkeiten haben' oder mit denen Sie 'nicht alle diese Schritte durchexerzieren müssen', laufen Sie geradewegs in eine Frustration hinein, aus der Sie sich mühsam wieder herauswühlen werden müssen. Mit anderen Worten: Wenn Sie damit anfangen, die Methode nur als eine 'Krücke' zu benutzen, um sich lediglich bei denjenigen Kanji zu helfen, mit denen Sie Schwierigkeiten haben, werden Sie schnell schlimmer humpeln als je zuvor. Was wir hier anbieten, ist keine Krücke, sondern eine andere Art zu laufen." (S.132)
Ich denke, diese Hinweise sind alle eindeutig.
Diejenigen, die der Methode so folgen, wie sie im Buch beschrieben wird, erzielen bisweilen geradezu fantastisch anmutende Erfolge. Der mir bekannte Rekord für das Erlernen von Band 1 liegt bei genau einem Monat. Aber das muß man ja gar nicht einmal wollen, um trotzdem große Freude ganz nach eigenem Tempo haben zu können (vgl. S. 17 mit der ausdrücklichen Warnung, zu schnell für die zur Verfügung stehende Zeit vorzugehen).
Abschließend sei natürlich frei zitiert: "Verstärkung des Gelernten ist die Mutter allen Lernens". Innerhalb des japanischen Kulturkreises erfolgt sie von selbst (vgl. S.24), außerhalb gibt es Hilfsmittel wie Karteikarten (siehe Lektion 5, S. 60 f.) oder aber Software (kostenlos und genau auf das Buch zugeschnitten siehe
http://www.kanjigym.de).
Ich wünsche Ihnen allen, wie immer, viel Spaß und Erfolg beim Lernen!
Wie oben erwähnt, sind die Seiten 1-102 des Buches durchgängig als kostenlose Leseprobe unter
http://www.kanji-lernen.de erhältlich.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Robert Rauther