Ich habe festgestellt, dass meine Motivation zum Japanischlernen umso mehr steigt, je weniger abgehobene Ansprüche ich an Resultate in einer bestimmten Zeit stelle. Ich kann pro Tag leicht 10 Kanji, an guten Tagen auch mal 20 Stück memorieren - ohne sie wieder zu vergessen. Denn ich übe und wiederhole die Dinger so lange, bis sie "sitzen" und ich kein bisschen nachdenken muss, um die Bedeutung zu kennen. Ist bei Komposita dasselbe. Wenn man eines sieht und dann noch nachdenken muss, wie es wohl ausgesprochen werden könnte, hat man noch nicht oft und vor allem *intensiv* genug geübt -> noch 10x schreiben und einprägen. Die Früchte des Trainings wachsen auch nicht sofort nach dem Training - bei mir dauert das ein paar Tage, dann sind die Kanji und Komposita in mein Unterbewusstes gesunken und ich erkenne sie mühelos. Ich nehme doch stark an, dass auch Japaner für neue Komposita oder Kanji eine gewisse Menge Gedächtnisarbeit benötigen, bis sie gefestigt sind. Auch wenn Japaner von frühester Jugend an mit diesem Schriftsystem konfrontiert sind, besteht m.E. der einzige Unterschied darin, dass wir nicht-Asiaten es nicht gewohnt sind, tagtäglich die bildliche Darstellung unserer Begriffe zu üben - wir haben keine. Ganz genau so, wie jemand, der von Jugend an jeden Tag joggt, keine Probleme mit dem früh aufstehen und sporteln hat, so wenig Probleme haben Japaner mit den Kanjis. Alles Trainingssache, und daraus erhalte ich meine Motivation: Je intensiver ich trainiere, desto wahrscheinlicher wird es, dass ich die Sprache meistere

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